„Yoga begins with listening. When we listen, we ware giving space to what is. We are allowing other people to be what they are, and we are sanctioning our own bodies ans our own minds to fully manifest. Yoga also begins in the present moment.“
Richard Freeman
"The Mirror Of Yoga"

Was ist Yoga?

1. Bedeutung
Yoga ist eine indische Philosophie, eine praktische Lehre. Die Philosophie des Yoga nennt man „Sankhya“ (= absolutes Wissen) und geht auf den Weisen Kapila zurück, der ungefähr zwischen dem 6. und 7. Jahrhundert vor Christus lebte. Vom Wort Yoga bzw. vom Sanskrit- Wort „yui“ stammt das Deutsche Wort „Joch“ ebenso wie der Englische Begriff „yoke“ ab und bedeutet „Verbindung“, „Vereinigung“ oder auch „Anspannen“ bzw. „Anschirren“. Gemeint ist im Grunde die Verbindung von Körper und Geist und letztendlich das „Eins werden“ mit dem Bewusstsein. Einfach ausgedrückt: die Selbsterkenntnis.
Yoga steht also gleichzeitig für den Weg und das Ziel zur Selbsterkenntnis, die Erleuchtung.
2. Körper oder Geist? Oder beides?
Ursprünglich war Yoga also der rein spirituelle Weg zur Erleuchtung durch Meditation. Die klassische Meditationshaltung ist der Lotos-Sitz bei dem die Füße wie im Schneidersitz in die Leisten gelegt werden. Da diese Haltung sehr anstrengend werden kann, entwickelten sich nach und nach die ersten körperlichen Übungen (Asanas), um den Körper zu kräftigen, flexibel zu halten und zu mobilisieren, um möglichst lange beschwerdefrei meditieren zu können. Doch man erkannte schnell die positiven Wirkungen auf den Körper und das menschliche Wohlbefinden im Allgemeinen – also wurden die körperlichen Übungen immer wichtiger und erweitert. Im 15. Jahrhundert dann entstand die „Hathapradipika“, die als erster Text den Körper zur Erreichung der Ziele des Yoga einbezieht. Auf ihr gründet auch das „Hatha Yoga“ (vgl. Yoga-Stile erklärt).
Yoga - Lexikon

Das "Yogasutra"

Von Patanjali

uralt - aber immer aktuell*

Das Yogasutra von Patanjali gilt als wichtigstes Grundlagenwerk des Yoga und fasst den Yogaweg als erstes Werk in Philosophie und Praxis zusammen. Es entstand irgendwann zwischen 200 vor und 200 nach Christus. Aber auch die Bhagavad Gita und die Upanishaden thematisieren Yoga (mehr zu diesen beiden Werken gibt es unter „Das kleine Lexikon“).
Das Yogasutra von Patanjali beschäftigt sich primär mit der Selbstbeobachtung, - erforschung und -erkenntnis. Er erklärt Yoga so: Yoga ist das zur Ruhe kommen der dauernd sich verändernden mentalen Muster. Wenn das geschieht, dann ruht der Seher in sich selbst. Und das ist Selbstverwirklichung oder Samadhi (Verschmelzung) oder Erleuchtung oder „Eins sein“ oder wie man es auch immer nennen möchte...
Wenn wir uns im normalen Alltag befinden, also im ganz normalen Wahnsinn und damit nicht im Zustand von Yoga, dann identifizieren wir uns mit unserem Körper, mit unseren Gedanken und Gefühlen, mit Äußerlichkeiten und mit den Geschehnissen in der Welt. Mit dem was wir gerne hätten, was wir nicht haben, was wir dringend noch brauchen... Eben den äußeren Schichten unseres Seins. Ihr ahnt es – eben alldem, was uns den Blick auf die wahre, echte Wirklichkeit des Seins und der Dinge verschleiert.

Wie Blicken wir in die Welt?

...Immer durch unseren Geist.

Wenn wir nun die Wirklichkeit sehen möchten, dann ist die logische Konsequenz, dass wir unseren Geist so rein und unverschleiert wie möglich werden lassen und halten. Der Weg des Yoga im Sinne des Yogasutra ist es also, den Geist zu reinigen. Und als Reinigungsprozess umfasst dieser Weg alles, was das Sein betrifft: Die Entwicklung harmonischer Beziehungen, einen vernünftigen Lebensstil, die Arbeit mit unserem Körper, Atempraxis. All diese Dinge unterstützen uns, in der Meditation in die Tiefe gehen zu können und an unserem Geist zu arbeiten. Letztendlich überwinden wir so auch das Leid – im Großen wie im Kleinen – und erlangen am Ende die Selbsterkenntnis.

Acht Glieder umfasst der Weg in der Praxis – nach diesen acht Gliedern ist übrigens das „Ashtanga Yoga“ (siehe Yoga-Stile erklärt) benannt. Diese möchte ich euch in keinem Fall vorenthalten, denn sie sind ein wunderbarer Leitfaden, der uns durch den Alltag navigiert – im Umgang mit anderen und auch mit uns selbst...:
1 | DIE YAMAS
Die Moral, das zwischenmenschlichen Verhaltens
  • Ahimsa: Gewaltlosigkeit und Rücksicht gegenüber allen Lebewesen und auch gegenüber sich selbst (in Gedanken, Worten und Taten)
  • Satya: Wahrhaftigkeit und Offenheit – sei authentisch.
  • Asteya: Nicht stehlen und nicht sich davon verabschieden, immer alles haben zu wollen und vor allem: bitte nicht neidisch sein.
  • Brahmacharya: Hinwendung zum Höchsten – nenne es Brahman, Tao, Gott, Allah oder wie auch immer. Sei Dir der Unendlichkeit, der Alleinigkeit bewusst.
  • Aparigraha: Nicht ergreifen, also nicht anhaften, nicht horten, nicht anhäufen von Dingen, die man nicht braucht... letztendlich: nicht gierig sein.


2 | DIE NiYAMAS

Der Umgang mit uns selbst oder: Tu was! Lerne Dich kennen! Hab Vertrauen!
  • Sauca: Reinheit – von Körper, Geist, Gedanken, unserer Umgebung...
  • Santosha: Zufriedenheit. Einfach nur zufrieden sein mit dem was wir haben, wer wir sind und all das wertzuschätzen.
  • Tapas: Leidenschaft, Hitze, Disziplin – das stetige Bemühen
  • Svadhyaya: Selbststudium, Selbsterforschung oder Selbstreflexion.
  • Ishvara-pranidhana: Hingabe an das Göttliche – das Vertrauen auf eine höhere Kraft, die uns führt, das Vertrauen in den Prozess
3 | Asana 
Körperliche Übungen bzw. Haltungen – diese sollten immer stabil und angenehm sein, denn nur wenn nichts zwickt und zwackt können wir in die Stille unseres Wesens schauen.
4 | Pranayama
Kontrolle und Führung des Atems, um mit unserer Lebensenergie (=Prana), dem Atem in Kontakt zu kommen.
5 | Pratyahara
Zurückziehen der Sinne – nimm wahr, was sich in Dir abspielt.
6 | DHARANA
Konzentration bzw. Ausrichtung des Geistes auf ein Objekt – man bringt die Aufmerksamkeit immer wieder sanft zurück zum Objekt der Meditation. Ein Mantra, ein Bild, der Atem oder der Klang „Om“ (siehe das kleine Lexikon) oder was auch immer...
7 | DHYANA
Meditation.
8 | Samadhi
Versenkung, All-Einheit, Verwirklichung des höheren Selbst, vollkommene Erkenntnis – die totale Verschmelzung mit dem Objekt der Meditation. Oder: Die absolute Gipfelerfahrung der Meditation!
Und es gäbe noch immer so viel zu sagen zum Thema... vielleicht stöbert ihr einfach mal im „Kleinen Lexikon“. Und wenn ihr mehr wissen möchtet meldet Euch bei uns: hallo@we-love- yoga.de

we.love.yoga

Fazit

Lasst Euch einfach auf Euren eigenen Yoga-Weg ein – wir müssen nicht alle im ursprünglichen Sinne „erleuchten“, aber können doch eine innere Haltung der Gelassenheit, Zufriedenheit, Vitalität und Lebensfreude kultivieren... Und uns einfach mal nicht über den Stau oder den blöden Kollegen ärgern und vielleicht stattdessen einfach nur ein Lächeln in die Welt senden und das Heute zum Lieblingstag erklären...
*An dieser Stelle ein herzliches „Dankeschön“ an Dr. Ralph Skuban, der mit seinem Buch „Patanjalis Yogasutra“ und seinen Seminaren die Grundlagen wunderbar verständlich vermittelt auch zu diesem Text einen wesentlichen Beitrag geleistet hat. Ich zitiere ihn an vielen Stellen.