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Wie Yoga mir half mich selbst zu lieben

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Mich hat diese Geschichte sehr berührt... Caro hatte eine Essstörung. Sie war sich selbst nie genug. Sie hasste sich und ihren Körper. Und dann kam Yoga in ihr Leben - was sich für Kritikerzungen anhört wie eine "Klischee"-Geschichte zeigt doch mal wieder die wundervolle Kraft dieser Jahrtausende alten Tradition... Caro lässt uns tief blicken und wir danken ihr von Herzen, dass sie diese Geschichte mit uns teilt und vielleicht andere Betroffene inspiriert.

"Um an den Punkt zu kommen, an dem ich heute bin, musste ich viele Hürden überwinden und einen sehr langen Weg zurücklegen. Doch jeder einzelne Schritt war die Mühe, die Tränen und den Frust wert. Sie haben mich zu dem gemacht, was ich heute bin. Yoga war ein großer Teil davon.

Das erste Mal, als ich Yoga ausprobierte, war vor etwa 3 ½ Jahren bei meinem ersten Aufenthalt in einer psychosomatischen Klinik. Ich war dort wegen einer Essstörung, Bulimia Nervosa. Yoga in der Klinik war ganz sanft und ruhig, denn Sport war für die meisten Patienten/innen nicht erlaubt und es sollte der Entspannung dienen und uns mit unserem Innern konfrontieren. Und was soll ich sagen, es wirkte. Es war unangenehm und natürlich mochte ich es am Anfang überhaupt nicht, denn es war nicht anstrengend und verbrauchte keine Kalorien. Und wer will sich schon mit seinen Problemen auseinandersetzen, wenn man sich auch in eine Essstörung flüchten kann? 

Trotz dessen, dass es mir am Anfang schwerfiel, mich auf Yoga einzulassen, hatte es nach der Klinik den Fuß in der Tür, auch wenn es noch eine Weile dauerte, bis es einen sehr großen Teil meines Lebens ausmachen sollte.

Neben der Esssymptomatik litt ich, wie ich erst kürzlich durch den wundervollen Dokumentarfilm „Embrace“ erneut herausfinden durfte, wie viele andere Frauen unter meinem Körper. Man kann das, was ich für mich selbst empfand, mit Abscheu, Ekel und Hass bezeichnen. Ich hasste mich selbst. In den Spiegel zu schauen war eine Qual, denn was mir da entgegenblickte, war für mich einfach abstoßend. Es war niemals genug. Ich war niemals genug. Nicht dünn genug, nicht muskulös genug, nicht braun genug, was auch immer. Ich trieb Sport wie eine Verrückte und ignorierte alle Warnzeichen meines Körpers. Doch den Selbsthass konnte ich nicht „wegtrainieren“.

Mit dem Laufe der Zeit ging es mir durch die Therapie, zu der ich jede Woche ging, immer ein wenig besser. Ich besuchte inzwischen einmal in der Woche einen Hatha Yoga Kurs, den ich als Ausgleich zu meinen sonst sehr kräftezehrenden sportlichen Aktivitäten ansah. Es tat mir gut.

Ein entscheidender Wendepunkt auf meinem Heilungsweg war der Tag, an dem ich mich entschied, meine Ernährung auf vegan umzustellen. Ich hatte online von vielen Personen gelesen, die es so geschafft hatten, ihre Essstörung zu heilen und ich dachte nur, was habe ich schon zu verlieren?

Bis heute weiß ich nicht, woran es genau lag, aber meine Symptomatik verschwand. Kein Fressen mehr. Kein Erbrechen mehr. Und deshalb bin ich so dankbar für alle, die ihre Geschichte online geteilt, mich inspiriert und mir so zu meiner Heilung beigetragen haben. Ein riesiges Dankeschön an euch alle! Und genau deshalb, möchte ich auch meine Geschichte teilen. Denn da draußen gibt es Tausende von Frauen und auch Männern, die unter Essstörungen und Selbsthass leiden und wenn ich nur eine oder einen erreichen kann, durch das, was mir selbst geholfen hat, dann ist das schon so so viel wert.

Nachdem die Symptomatik wegfiel wurde mir klar, dass mein Selbsthass gar nichts mit meinem Gewicht oder Äußeren zu tun hat. Es spielte gar keine Rolle. Kein Gewicht dieser Welt würde jemals dafür sorgen, dass ich mich bedingungslos lieben könnte. Der Hass kam von innen. 

Wenn ich mich selbst lieben wollte, musste ich also zuerst mein Innerstes heilen. 

Kurz nach dem Umstellen auf eine vegane Ernährung, begann auch meine Yogapraxis häufiger und regelmäßiger zu werden. Ich meldete mich in einem Yogastudio an und langsam aber sicher wurde Yoga fester Bestandteil meines Lebens. Diese Veränderung geschah gar nicht so bewusst, aber ich spürte, dass es mir guttat, dass es mir innere Ruhe verschaffte, zumindest für kurze Momente. 

Yoga wurde für mich so wichtig, dass ich mir für meine 3-monatige Südamerika Reise eine Travel Mat bestellte. Yoga sollte auch da weiterhin Bestandteil meines Lebens sein! Und so zog ich los mit der meiner besten Freundin und der Matte im Gepäck. Ich fühlte mich zu dieser Zeit sehr stabil. Meine Therapie hatte ich vollständig beendet und es ging mir gut. Doch in Peru kam dann der Rückschlag. Ich bekam einen Abszess am Rücken, der operativ geöffnet werden musste. Ich musste jeden zweiten Tag ins Krankenhaus zur Kontrolle, konnte nicht weiterreisen. Doch das Schlimmste für mich war, dass ich mich schonen sollte.

Ich durfte mich nicht anstrengen. Kein Wandern, kein Schwitzen, kein Yoga. Es war die Hölle. Sofort fiel ich in die alten Denkmuster meiner Essstörung zurück: „Du wirst fett und unsportlich werden; du bist nichts wert; du bekommst genau das, was du verdienst.“ Nie hätte ich gedacht, dass ich noch einmal an den Punkt kommen würde, an dem der Selbsthass so intensiv zum Vorschein kam. Ich fühlte mich grauenvoll.

Nach etwa 3 Wochen begann mein Abszess zu heilen. Ich begann langsam wieder mit Yoga und besuchte die Klassen der wundervollen Kat im YogaRoom, Cusco. Kat ist eine einzigartige und inspirierende Lehrerin, ihre Yogastunden gaben mir die Freude und positive Energie zurück und zeigten mir zum ersten Mal ganz deutlich, wozu Yoga in der Lage ist.

Zurück in Deutschland etablierte ich meine eigene tägliche Praxis und begann zusätzlich regelmäßig im Yogastudio zu praktizieren. Es ging mir immer so viel besser nach Yoga! Doch schnell merkte ich, dass mir die Yogastunden nicht mehr reichten. Der Selbsthass war immer noch da und ich wollte tiefer in die spirituelle Komponente des Yoga eintauchen, weil ich ahnte, damit endlich die Liebe zu mir selbst zu finden.

Aus diesem Gefühl heraus entschied ich mich zu einer Yogalehrerausbildung um mein persönliches Wachstum voranzutreiben. Ich landete im wunderschönen Boquete, Panama bei Kaytee Hoverson. Ich lebe inzwischen in dem Glauben, dass alles aus einem bestimmten Grund passiert. Das Universum führte Kaytee und mich ganz bewusst zueinander. Ich war die einzige Teilnehmerin in der Ausbildung, 3 weitere Personen waren kurzfristig abgesprungen und genau so musste es sein.

Kaytee konfrontierte mich mit den Fragen, die ich mich selbst nicht getraut hatte zu stellen. Was würde passieren, wenn ich anfangen würde mich selbst zu lieben? Die Antwort darauf war, dass ich keine Ahnung hatte, was dann noch von mir übrig sein sollte. Denn obwohl ich mich relativ stabil fühlte, was meine Erkrankung anging, drehte sich mein ganzes Leben ständig nur um die Bemühungen besser zu werden. In der Uni, im Sport, im Yoga, im Aussehen. Wenn ich mich selbst lieben würde, was würde von mir übrigbleiben? Womit würde ich mich mein Leben und meine Gedanken noch füllen?

Es war schmerzhaft. Ich weinte fast jeden Tag in der Ausbildung. Ich durfte die Essstörung und alles, was damit zusammenhing nicht mehr Teil meiner Identität sein lassen. Denn das war nicht, wer ich bin. Mit jedem Tag wuchs mein spirituelles Herz und damit auch meine Selbstliebe. Es war kein einzelner Moment, der mich zur Selbstliebe brachte, es war ein Prozess. Jeden Tag, den ich mit Yoga und Spiritualität füllte, brachte mich ihr immer näher. Ich begann Vergebung für mich selbst zu kultivieren und Liebe für die früheren Anteile von mir, wie das pummelige 17-jährige Mädchen, dass ich so sehr verabscheute.

 Am Ende meiner Ausbildung war diese Liebe plötzlich da. Mein Herz war weit geöffnet und ich hatte mich selbst hineingelassen. Es war ein unbeschreibliches Gefühl.

Um mich selbst zu lieben, musste ich mir alles verzeihen, was ich jemals getan hatte und mir vorwarf. Ich musste jeden Teil von mir, frühere Versionen von mir, so akzeptieren, wie sie damals waren und mir selbst Verständnis und Empathie entgegenbringen. Und dann, musste ich die Dinge loslassen, die ich als meine Identität ansah, als die Dinge, die mich ausmachten, denn das taten sie gar nicht.

Alles, was mich ausmacht, kommt aus meinem Innern, meinem spirituellen Herzen.

Ich konnte diese Selbstliebe aufrechterhalten. Natürlich schaue ich nicht jeden Tag in den Spiegel und finde mich selbst wunderschön. Es gibt immer Tage, an denen die alten Denkmuster zurückkehren oder ich unzufrieden mit mir bin. Der Alltag in Deutschland stellt mich vor deutlich mehr Herausforderungen, mich selbst zu lieben, als die Yogalehrerausbildung in Panama.

Was sich jedoch verändert hat, ist mein Inneres und die Art und Weise mit diesen Dingen umzugehen. Denn trotz allem, weiß ich, dass ich tiefes Mitgefühl und Liebe für mich selbst empfinde und dass ich auch in Zeiten von Dunkelheit und Trauer, immer wieder an diesen Ort in meinem Herzen zurückkehren kann. Durch Yoga und spirituelle Praxis."

Danke, Caro!