Was ist eigentlich Pranayama? Oder: Warum Atmung wichtig ist

Britta Kimpel

Alle Yogis reden immer von der Atmung... Aber was bedeutet das eigentlich genau? Und warum ist es wichtig für die Yogapraxis - oder sogar für das Leben?

Zeit, ein bißchen Licht ins Dunkel zu bringen, oder? 

Daher haben wir Britta Kimpel zum Interview gebeten! Britta ist Pranayma-Expertin und Yogalehrerin und daher prädestiniert dafür uns in das Thema einzuführen. Beim Online-Yogastudio YogaMeHome ist aktuell ihr Online-Kurs zu Pranayama erschienen, in dem viele der im Interview genannten Atemübungen wie Kriyas, Bandas, Kapalabhati und Wechselatmung gelehrt und praktiziert werden.

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Liebe Britta, was bedeutet Pranayama eigentlich?

Das Wort Pranayama ist eine Kombination aus zwei Sanskritbegriffen: Prana & Ayama. In diesem Zusammenhang bedeutet Prana Atem oder Atmungsaktivität, während Ayama Ausdehnung, Anhalten oder bewusste Manipulation bedeutet. Bei uns hier im Westen wird Yoga ja oft eher mit den Asanas in Verbindung gebracht. Aber Yoga als ganzheitliche Praxis hat natürlich mehr zu bieten als die Asanas. Wenn wir zum Ursprung von Hatha Yoga zurückgehen, dann ist Pranayama ganz klar eine der wichtigen yogischen Techniken.

Wir können uns das so vorstellen, dass wir uns mit den Asanas, sozusagen körperlich auf das Erwachen im Sinne des Yoga vorbereiten. Mit Pranayama gehen wir tiefer in den Bereich des Feinstofflichen. Dort sind alle Erinnerungen, Erfahrungen und Verhaltensmuster abgespeichert, die uns in unserer Entwicklung und unserem Vorankommen auch mal im Weg stehen können. Mit Pranayama und Meditation können wir an diesen Punkten arbeiten und uns somit auch geistig auf das Erwachen vorbereiten.

Wir können sogar sagen: Mit bewusstem Atmen, fängt Pranayama an. Natürlich gibt es bestimmte Techniken und Übungen, um bewusstes Einatmen und Ausatmen, Effekte im Nervensystem oder Reinigen des Körpers zu erreichen. Aber alleine schon mit bewusstem Atmen beginnen wir Atemachtsamkeit zu entwickeln.

 

Und wie wirkt es?

Im Yoga sagen wir, dass unser Atem unsere emotionalen und mentalen Zustände widerspiegelt und als Vermittler zwischen körperlichen und mentalen oder emotionalen Zuständen fungiert. Wenn wir emotional aufgebracht sind, wird der Atem unregelmässig, stossweise und schnell und unser Körper neigt zu Verspannung oder zu anderen körperlichen Reaktionen (z.B. Bauchschmerzen, Anspannung oder ähnliches). Allerdings funktioniert diese Verbindung auch in die andere Richtung, das heisst, dass der Atem den emotionalen Zustand beeinflussen kann und sich damit auf unser Wohlbefinden auswirkt.  Wir können diese Verbindung und den vermittelnden Effekt zu unserem Vorteil nutzen. Im Yoga wird bewusstes, tiefes, harmonisches Atmen genutzt, um schädliche emotionale Zustände zu überwinden.

Darüber hinaus wirken alle Pranayama-Techniken anders und in den Yogaschriften sind Techniken beschrieben, die uns helfen Balance zu finden, unser Verdauungssystem zu stimulieren oder uns aufzuwecken, einen nervösen Geist zu beruhigen oder einen überhitzten Körper zu kühlen.

 

Kann eigentlich jeder Atemtechniken erlernen?

Grundsätzlich ja. Atmen können wir ja auch alle ;) Es gibt einfach bei verschiedenen Techniken zu berücksichtigen, dass Frauen sie während der Schwangerschaft oder Menstruation nicht ausführen dürfen. Auch bei Bluthochdruck oder Herzproblemen ist es ratsam, nur in der Anwesenheit von einem erfahrenen Lehrer mit dem Üben zu beginnen.

Vielfach ist es schon genug, sich einfach in der Atemachtsamkeit zu üben. Da müssen gar nicht gross spezifische Techniken geübt werden, sondern allein schon, sich bewusst zu machen, wie der Atem fliesst und diesen über die Zeit zu vertiefen, kann einen grossen Einfluss auf unser Energielevel oder z.B. auch die Schlaf- und Erholungsqualität während der Nacht nehmen.

 

Wie viel Zeit sollte man für Pranayama aufwenden, damit es „wirkt“?

Wichtig ist, eine Regelmäßigkeit für das Üben zu finden. Lieber etwas kürzer üben – und seien es nur 5 Minuten am Tag – und dafür aber jeden Tag üben. Regelmäßig zu Üben macht beim Pranayama definitiv einen Unterschied. Bleib auch eine Zeit lang konstant bei einer Übung, damit sich dein Körper an die Praxis gewöhnen kann. So spürst du mit der Zeit die positiven Effekte klarer.

 

Was empfiehlst Du Anfängern?

Ganz wichtig im Pranayama ist, dass wir nie in eine Stressreaktion kommen. Unser Atem sollte sich also immer leicht anfühlen, wir sollten uns immer geerdet fühlen während der Praxis. Also bitte nie übertreiben und immer auf die Symptome des Körpers hören. Es kann sein, dass einem beim Üben etwas schwindelig oder auch etwas schlecht wird. Dann einfach eine Stufe runterschalten oder Pause machen. Übertriebener Ehrgeiz ist beim Pranayama definitiv fehl am Platz!

Der erste Schritt für Anfänger ist das bewusste Wahrnehmen der Atmung. Wie tief ist mein Atem? Wie lange atme ich ein? Wie lange aus? Wie fühlt sich mein Atem an? Wohin atme ich? Bauch, Brustkorb oder flach in die Schlüsselbeine? Für Anfänger ist es auch oft gut geeignet, im Liegen anzufangen. Allerdings macht es dabei Sinn, die Füße aufgestellt zu lassen, weil sonst die Gefahr besteht, einzuschlafen.

Der nächste Schritt wäre dann, bewusst in unterschiedliche Atemräume zu atmen.

In meinem Pranayama-Programm auf YogaMeHome nehme ich alle bei der Hand, mit Pranayama zu beginnen oder auch wieder einzusteigen und die eigene Pranayama-Praxis zu vertiefen.

 

Gibt es etwas, worauf man aufpassen sollte? Oder wann man vorsichtig sein sollte?

Wie ich vorhin schon gesagt habe, gibt es Techniken, die frau während der Schwangerschaft oder Menstruation nicht machen darf. Ich persönlich würde auch niemandem empfehlen, auf eigene Faust damit anzufangen, den Atem während der Pranayama-Übungen lang anzuhalten (Kumbhaka genannt). Das ist für mich etwas, was du lieber mit einem Lehrer zusammen anschauen solltest um sicherzugehen, dass du alles korrekt machst und dir mit den Pranayamaübungen wirklich was Gutes tust… wie gesagt: Ehrgeiz ist fehl am Platz. Solange du aber immer auf die Zeichen von deinem Körper hörst und darauf achtest, dass der Atem leicht und entspannt bleibt (ohne Atemnot oder Stress), kannst du die Techniken ohne eben das Atem-Anhalten gut ausprobieren und für dich üben.

 

Hast Du einen Tipp für den Alltag? Quasi Pranayama für zwischendurch?

Pranayama für zwischendurch ist jeder bewusste Moment der Atemachtsamkeit. Der Alltag bietet dafür immer wieder Möglichkeiten, kurz innezuhalten: Auf der Bank oder Post in der Warteschlange. An einer roten Ampel. Wenn du auf den Bus wartest. In solchen Momenten kannst du dich selbst wahrnehmen und reinspüren, wie du gerade atmest. Vertiefe dann deine Atmung und versorge dich und deine Zellen wieder mit frischem Sauerstoff.

Oder nutze die Töne und Geräusche deines Handys und deines Computers als Erinnerungen, kurz die Augen zu schließen und dich zu fragen, wie du gerade sitzt. Und ob deine Atmung genug Platz hat.

Und noch ein Hinweis: Pranayama ist kein Ersatz für eine Therapie und dient nicht dazu psychische Erkrankungen zu therapieren.

Danke für das Interview, liebe Britta!

Britta Kimpel ist Yoga-Lehrerin und Psychologin. Sie unterrichtet auf unterschiedlichen Veranstaltungen den kreativen und gefühlvollen Stil Embodied Flow. Hier alle Infos zur ihr: http://www.brittakimpel.com/live-events/ 

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