Über Leichtigkeit und Gelassenheit - ein Interview mit Jang-Ho Kim

Jang-Ho Kim über Leichtigkeit und Gelassenehit

Jang-Ho Kim ist vielleicht einer der interessantesten Yogalehrer, die es in Deutschland gibt... Er ist bekannt dafür, dass er einen unverwechselbaren Mix aus unterschiedlichen Disziplinen lebt... Das heißt konkret: Taekwondo stärkte seine Disziplin und den Körper, Qi-Gong seine Energie und die ZEN Lehren zeigten ihm Einblicke in sein Inneres.

Und was ist mit Yoga?

Yoga ist sein Kommunikationskanal, um seine Erfahrungen und Einsichten zu vermitteln. Yoga mit Jang-Ho bedeutet Spannung und Entspannung, Anstrengung, aber auch Lachen und Humor. Eine ganz tolle Kombination wie wir finden!

Und wir dachten uns: Das ist eine Kombination die Leichtigkeit und Gelassenheit verspricht - eben einfach Balance... Und daher haben wir ihn zum Interview gebeten... Viel Spaß beim Lesen, ihr Lieben!

Jang-Ho, was bedeutet für Dich Leichtigkeit?

Das Leben mehr zu genießen statt sich mit Sorgen, Kummer und Ängste zu plagen. Unsere Gesellschaft hat es geschafft die Produktivität eine höhere Priorität zu geben als den Genuss im Leben.

Kann es das geben? Ein „leichtes“ Leben? Jeder von uns trägt doch seinen ganz eigenen „Rucksack“ gefüllt mit allerlei Kram mit sich herum…

Ich persönlich glaube daran, dass das Leben ein „Up & Down“ ist. Es gibt immer wieder Herausforderungen, die uns einen inneren Wachstum ermöglichen und dann gibt es wieder „leichte“ Lebensphasen, um Kreativität und Weisheit gedeihen zu lassen. Ein 100%-iges leichtes Leben wäre in dem Sinne einseitig, aber die meisten Leben ja mehr ein „schweres“ Leben und demnach könnte die Welt mehr Leichtigkeit gebrauchen als Ausgleich.

Was denkst Du „beschwert“ uns am meisten?

Wir stehen uns selbst im Wege mit Loslassen im 21.Jahrhundert. Wir sind durch die modernen digitalen Welt so sehr in die Exoterik geflüchtet, so dass wir kaum uns selbst reflektieren. Hat man 5 Minuten Pause schauen wir wie die Zombies auf unsere Smartphones statt mal ganz banal durchs Fenster zuschauen und eine gewisse Stille oder Langeweile entstehen zu lassen. So kommen wir gar nicht dazu loszulassen.

Wie kann man Schwere auflösen und zu mehr Leichtigkeit gelangen?

Mehr Langeweile! Mehr Meditation! Weniger ist  mehr! #slowdownandletgo ;-)

Für mich gehört zur Leichtigkeit auch eine Portion Humor und Selbstironie – wenn ich mich selbst nicht so ernst nehme, geht vieles im Leben leichter und man wird gelassener, oder wie siehst Du das?

Selbstironie ist eine der besten Mittel, um das Ego zu umarmen und auf dem Arm zu nehmen. An dieser Stelle einen Dank an den Gott/Göttin/Wesen, der/die/das den ersten Witz im Universum raus gelassen hat!

Gibt es Situationen, in denen Du Deine Gelassenheit verlierst?

Natürlich! Die Yoaglehrer/innen verlieren während des Unterrichtens seltener ihre Geduld oder Leichtigkeit, da sie in ihrem Element sind. Aber im Alltag haben wir alle die gleichen Herausforderungen mit Partnerschaft, Kinder, Ämter, Strafzettel, Blitzer etc. Yogalehrer oder nicht – Mensch bleibt Mensch ;-).

Wie schaffst Du es in schwierigen Lebensphasen gelassen zubleiben?

Oh davon hatte ich einige ;-))). Ich habe ein sehr ausgeprägtes Selbstbewusstsein. Ist hin und wieder mal zu einer Überschätzung gekommen, aber in der Regel hilft mir mein Selbstbewusstsein zu einem tiefen Selbstvertrauen. Vor allem mit dem Wissen, dass nichts ewig andauert, braucht man doch „nur“ Geduld bis der Sturm vorüber ist.

Hast Du einen Erste-Hilfe-Leichtigkeits-Tipp?

Alles kommt und alles geht. Krampf kommt und Krampf geht. Geld kommt und Geld geht. Menschen kommen und Menschen gehen. Aber nichts und niemand ist jemals wirklich verloren. Sie sind nur irgendwo anders. (Leider nur nicht auf meinem Konto ;-)) Das hilft mir beim Loslassen für mehr Leichtigkeit.

 

Jang-Ho und Frank - beide führen zusammen das Yogastudio "NowYoga.Today" in Wiesbaden.

 Und zum Schluss interessieren uns noch ein paar "Basics"...

Wie bist Du zum Yoga gekommen?

Yoga war Liebe auf dem zweiten Blick. Mein Bruder war mein erster Yogalehrer und es war für mich damals nicht ein „Gamechanger“. Kurz darauf traf ich David Swenson und diese Tage mit ihm waren für mich der Zugang zur Leichtigkeit mittels Yoga.

Kannst Du uns erklären, was Deinen Unterricht besonders macht?

Mein Unterrichtet lebt weniger durch den Inhalt der Übungen, Ausrichtungen oder Sequenzen. Es sind eher meine Worte mit der Intention die unsichtbare Brücke namens Mitgefühl zwischen den Teilnehmern mehr spürbarer zumachen mittels Poetry Slam, Charme und Humor.

Magst Du uns von Deiner eigenen Yoga-Praxis erzählen?

In letzter Zeit übe ich ca. 4 mal pro Woche meine eigene Praxis. Diese ist eher untypisch für einen Yogi. Ich habe mir ein Trainingsgerät besorgt speziell fürs Boxen und Kicken. Die ersten 45 Minuten bestehen aus Kampfsporttraining und die restlichen 45 Minuten aus Asana, Pranayama und Meditation.

Welche Menschen inspirieren Dich?

Da habe ich keine speziellen Menschen. Von liebevollen und authentischen Menschen wie man es machen könnte und von den sogenannten „A-holes“ wie man es weniger machen sollte ;-) ...

 

Danke, Jang-Ho, für das tolle Interview und Deine inspirierenden, ehrlichen Antworten.

Wer mehr zu Jang-Ho erfahren möchte und wie ihr mit ihm üben könnt, der kann sich hier informieren - sehr empfehlenswert! Für unsere Hauptstädtler gibt es im Mai eine tolle Gelegenheit - Jang Ho unterrichtet auf der Berlin Yoga Conference: