Textiler Wahnsinn – was wir tun können!

Upcycling und echte Handarbeit!
Credit: Daniel Weigel

Vor ein paar Tagen bin ich an einem ganz normalen Tag durch die Fußgängerzone geschlendert – lange habe ich das nicht mehr so bewusst getan. Und ich muss sagen, dass ich mich erschrocken habe. Ein Filialist neben dem anderen, Kleidung soweit das Auge reicht, Angebotsständer noch und nöcher… Nicht, dass ich nicht wüsste, wie es in einer ganz normalen deutschen Innenstadt aussieht, aber irgendwie ist mir an diesem Tag bewusst geworden, in welchem textilen Wahnsinn wir leben.

Ehrlicherweise muss man sagen, dass es etwas unglaubwürdig ist, dass wir dauernd zum Yoga rennen, von einer besseren Welt träumen und gleichzeitig die Augen vor der Wahrheit verschließen, wenn es um das Thema „Mode“ geht. Das Unglück in Bangladesch vor einiger Zeit haben wir ziemlich schnell verdrängt, oder?

Lieber weniger, dafür mit gutem Gewissen und langlebig. Das ist ein kleiner Beitrag, den jeder leisten kann… Und am Ende wahrscheinlich sogar der kostengünstigere…

Wie könnten wir Textilmüll reduzieren?

Mit dieser Frage im Sinn habe ich Julia und Hanna vom Berliner Label Dzaino getroffen. Die beiden sind Expertinnen im Upcycling und wir sprechen darüber, dass Nachhaltigkeit heute sehr stylish sein kann und vor allem auch sein darf! Aber auch über den Modezirkus, Preise und die Zukunft…

 

Was bedeutet für Euch das Wort „Nachhaltigkeit“?

Nachhaltigkeit ist ein großer Begriff, der für viele Bereiche eingesetzt werden kann. Wir beziehen uns auf die Modeindustrie, wenn wir von Nachhaltigkeit sprechen. Und Mode, bzw. Design kann auf unterschiedliche Weise nachhaltig sein. Alle Schritte der Produktions-, Liefer- & Verkaufskette sollten im besten Fall nachhaltig sein, sprich: nicht der Umwelt, Tieren oder den Menschen zu schaden.

Unser Unternehmen basiert auf dem Konzept des Upcycling, wir reduzieren also den Textilmüll. Außerdem handeln wir in allen Sparten unseres Unternehmens nachhaltig, egal ob es beispielsweise um den Druck von Postkarten, Verpackungsmaterial oder um die Zusammenarbeit mit Zwischenhändlern geht. Alles und jeder wird nach nachhaltigen Kriterien ausgewählt.

‍Dzaino Mini Weekender

Wie setzt ihr das in Euren Produkten um?

Mit unserer Marke stärken wir das Bewusstsein für Kleidungskonsum. Wir möchten erreichen, dass niemand seine nicht getragene Kleidung zu schnell in den Müll wirft. Wenn man einmal sieht, was für tolle Taschen man aus „Müll“ herstellen kann, dann beginnt man vielleicht die immense Textilmüllproduktion zu mindern.

Unsere Produkte bestehen zum größten Teil aus gebrauchter Kleidung, die unnötiger Weise viel zu früh weggeworfen wird. Wir retten diese Kleidung und wandeln sie um in wunderschöne einzigartige Taschenunikate. Alle weiteren Zutaten wählen wir ebenfalls von nachhaltigen Produzenten aus.

 

Was ärgert Euch am Meisten im „Modezirkus“?

Am meisten ärgert uns, dass viele Menschen „Fast Fashion“ kaufen, obwohl sie schon mal gehört haben, dass dafür Menschen und Umwelt in anderen Ländern massiv leiden. Und das nicht in Maßen, sondern in Massen! Obwohl man es ahnt, kauft man dann spontan doch mal eben bei H&M oder Zara ein, mehr als man tatsächlich braucht. „Sei neugierig, frag dich #whomademyclothes und überlege Dir, ob ein achtsamer Konsum nicht auch für Dich viel besser wäre“, wäre ein Satz den wir gerne zum Nachdenken weitergeben würden.

 

Wo liegen für Euch die größten „Stolpersteine“?

Wir sind nach wie vor auf der Suche nach einem besseren Wort für “Upcycling“. Denn nachhaltige Mode, genau wie der Begriff Upcycling lösen Assoziationen aus, die oft nicht hochwertig sind, sondern leider immer noch in die Richtung von „Kartoffelsack und buntes Basteln“ geht. Genau das sind wir nicht und das können wir auch nicht ausstrahlen, daher lassen wir das Wort Upcycling weg. Die nachhaltige Mode und das nachhaltige Design brauchen noch ein besseres Image was Bildsprache und Designniveau angeht.

 

Müsst ihr Euch oft für den Preis Eurer Modelle rechtfertigen?

Nein, bisher gar nicht. Unsere Kunden sind achtsame Menschen, die genau wissen wieviel Arbeit und Liebe in dem Produkt steckt. Außerdem sind alle Dzaino Taschen Unikate, es gibt jede Tasche nur 1x auf der Welt. Das ist eigentlich unbezahlbar :)

 

Was macht „gute“ Mode aus?

Gute Mode fängt beim Design an. Der Designer hat die Verantwortung für alles, nicht nur die Gestaltung, sondern auch die Auswahl der Stoffe und alle weiteren Schritte in der Produktionskette. Wenn all diese Schritte nachhaltig sind und dann die Klamotte auch noch gut gestaltet ist, dann ist das gute Mode.

 

Und worauf sollte man beim Kauf von Mode und Taschen achten?

Darauf, dass man sich wirklich sicher ist, dass man das Produkt haben will und benutzen wird. Bitte nichts kaufen, nur weil es gerade „in“ ist oder weil man irgendeine Stimmung damit kompensieren will. Denn meistens landet das Teil dann im Schrank und unbenutzt dann im Müll. Das wäre sehr unnachhaltig.

 

Welche Rolle spielt Yoga in Eurem Leben?

Eine große. Julia ist selbst Yogalehrerin und wir machen sehr gerne und mehrmals die Woche Yoga, oft auch gemeinsam. Yoga ist für uns ein Ausgleich, Meditation, Konzentration und Entspannung.

Yvonne und ich lieben die Dzaino-Bags! <3

Was wünscht ihr Euch für die Zukunft?

Wir wünschen uns, unsere Freundschaft für immer zu behalten und durch unser Label einen achtsameren Konsum zu fördern und damit eine nachhaltige Zukunft zu formen. Und dass der Frühling nicht mehr lang auf sich warten lässt!

 

Danke, für das Interview, liebe Hanna und Julia!

Und wer Lust hat, sich die Taschen-Unikate von Hanna und Julia anzuschauen ist in unserem we.love.yoga STORE genau richtig - sowohl die lässigen Weekender als auch die Yogataschen sind der Knaller! we.love.Dzaino!