Lebe, Liebe, Lache!

Die we.love.yoga-Inspirations- und Glückshappen!

Confessions of a Yogamama

Der perfekte Start in den Tag:

Ich erwache nach einer ruhigen und traumreichen Nacht morgens gegen 5:30 Uhr und nehme auf meiner Yogamatte Platz, um Geist und Glieder sanft zu erwecken. Meine 30-minütige Yogapraxis inklusive einiger Reinigungstechniken und Atemübungen, runde ich mit einer Meditation im Licht der aufgehenden Sonne ab. Ich koste die Ruhe in unserem Zuhause aus und lege meine Intention für den Tag fest.

Nach einem kurzem Zwischenstopp im Badezimmer mit Reinigung von Zunge, Nase und Ölziehen streichele ich meinen kleinen Sohn sanft wach und kuschele noch ein wenig mit ihm im Bett. Gemeinsam mit meinem Partner setzen wir uns an den Frühstückstisch in unserer sauberen Küche und nehmen ein vollwertiges Mahl aus einem weizen-, milch- und zuckerfreiem ayurvedischen Porridge zu uns, dazu trinke ich heißes Wasser mit ein Paar Spritzern Bio-Zitrone.

Wir verabschieden Yogapapa in die Arbeit und machen Hund und Buggy startklar für unseren morgendlichen Mediations-Walk in den noch ruhigen und nebelverhangenen Park um anschließend zum Mama-Baby-Yogakurs zu radeln…

Zu schön um wahr zu sein?

Gut, vielleicht läuft es nicht jeden Tag wirklich so ab. Aber jeden zweiten Tag…

Na gut, vielleicht einmal im Monat. Okay, es läuft in Wahrheit nie so ab.

Eigentlich entspricht obiger Bericht eher meiner geheimem Wunschvorstellung, einer Vorstellung, die ich hatte, bevor mich die Realität des Mama-Alltags fies in den Bauch geboxt hat. Eine Wunschvorstellung, die sich an meinen Erwartungen und Bildern orientiert, wie eine Yogini mit Familie nun mal zu leben hat.

Habe ich doch auch als Yogalehrerin und ernsthaft an Yoga interessierter Mensch ein Selbstbild, dass ich vor mir vertreten will. Gleichzeitig ist da meine Familie und meine Umwelt, der ich aufrichtig, liebevoll und heiter begegnen möchte.

Baby schreit und Du bleibst immer ganz om und entspannt?

Vielleicht ist es manchmal eher so, dass mein Sohn mich mit heulendem Geschrei gegen 5:30 Uhr aus dem Schlaf reißt. Mein Rücken schmerzt, (weil ich den zweiten Teil der Nacht vor dem Gitterbett liegend auf dem Boden verbracht habe) als ich ihn hochnehme, um ihn zu beruhigen. Wir schleppen uns in die Küche und versuchen aus den wenigen Zutaten im Kühlschrank (Mist, vergessen einzukaufen…) ein einigermaßen gesundes Frühstück zusammenzustellen.

Ich gähne und versuche mich mit eiskaltem Wasser aus dem Wasserhahn ein wenig „wacher“ zu machen. Multitasking-fähig versuche ich gleichzeitig Milch warm zu machen und die Espressomaschine zu bedienen. Mein Sohn ist immer noch unzufrieden. Was hat er nur, überlege ich? Ich gebe ihm gerade einen Keks (Mit Zucker - wir haben keine anderen, ich hatte ja leider vergessen einkaufen zu gehen), als mich der Geruch von verbrannter Milch aus meinen Träumen holt. Shit! Haben wir noch einen sauberen Topf? Ich blicke in die Richtung, wo sich normalerweise das Spülbecken befindet, aber jetzt nur eine übergroße Konstruktion aus Edelstahl und Porzellan zu sehen ist.

Während ich mich auf die Suche mache, krabbelt der Hund aus seinem Korb um mich schwanzwedelnd zu begrüßen. Wie schön - wenigstens einer der gute Laune hat. Mein Sohn weint nämlich immer noch, denn er möchte gerne seine Milch haben. Er bekommt noch einen Keks. Wo ist eigentlich sein Vater - und warum darf dieser immer ausschlafen?

Nun erhitze ich also ein weiteres mal Milch und nehme meinen ersten Schluck Kaffee, beiße dazu in einen Keks. Ich lasse den Hund erstmal in den Garten und stelle fest, das mein Baby mittlerweile die Hundenäpfe entdeckt hat und vergnügt darin plantscht. Wenigstens ist er zufrieden.

Nach dem Umziehen, Füttern, Windel wechseln, setze ich mich erstmal mit meinem Kaffee (und weiteren Keksen) aufs Sofa (welches ich zuerst von verschiedenen Spielzeugen befreien musste) und stelle fest, mein Rücken schmerzt noch mehr. Ich müsste eigentlich mal wieder dringend zum Yoga - oh mann, was bin ich eigentlich für eine miese Yogini…

Go with the flow - fließe mit den Dingen.

Auch wenn keiner meiner beiden Berichte den reellen Tatsachen entspricht, habe ich das Stilmittel der Übertreibung genutzt um Dir deutlich zu machen, welche Yoga-Lektion ich durch das Mutter-Sein gelernt habe.

Wenn Du dich den Dingen entgegenstellst, kämpfst Du gegen mehr Widerstand an. Du gerätst in Hektik und Stress, bist frustriert. Lernst Du Dein „Karma“ zu akzeptieren, kannst Du Dich frei von diesen Gefühlen machen - Du fließt mit dem Strom.

Dieser Fluß trägt dich zwar nun vielleicht an Ufer, an die Du nie wolltest - aber Du akzeptierst auch das. Im besten Falle gewinnst Du Energie durch das Getragen werden durch die Wogen des Alltags - Du entdeckst die kleinen geheimen Inseln in Deinem Lebensstrom und kannst hier Halt machen, um aufzutanken.

Zu hohe Erwartungen zu haben macht Dich nur unglücklich - denn sie haben die Tücke, dass sie sich häufig nicht erfüllen. Lasse sie also los und akzeptiere was gerade „da ist“. Und da dieser Artikel „Confessions“ - also Bekenntnisse einer Yogamama heißt, gebe ich allzu gerne offen und ehrlich zu, dass auch ich hier kontinuierlich (also eigentlich immer und jedes Mal) Üben muss und mir mein Leben mit Kind reichlich Gelegenheit dazu bietet. Da bin ich mehr als dankbar, dass mir Yoga als meine Lebensphilosophie so viel Input und Insights bietet - am Ende ist es eine Win-Win-Situation: Ich arbeite daran Yoga in mein Familien-Leben zu bringen und profitiere in meinem Familien-Leben durch Yoga.

„Regelmäßige Yoga-Übungen helfen, der Hektik des Alltags gelassen und standhaft entgegenzutreten.“ B.K.S. Iyengar

Wie lebst Du Dein Yoga im Familienalltag? Und was hilft Dir, Widerstände und Erwartungen aufzulösen?